2005 bis 2009

03.11.2009

Prof. Dr. Erich Winter (Universität Trier)

"Der Tempel von Philae - einst und jetzt"

Abstract: Rund 1000 km nilaufwärts, etwas südlich von Assuan, liegt inmitten des ersten Nilkataraktes die Insel Philae. In den Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt bildeten ihre Tempel das Zentrum des altägyptischen Isis-Kultes und gleichzeitig das bedeutendste Wallfahrtsheiligtum seiner Zeit. Seit 1910 waren ihre gut erhaltenen Tempelanlagen im Stausee des alten Staudammes von Assuan versunken, bis die Tempel in den 70er-Jahren durch eine internationale Aktion der UNESCO geborgen und auf einer etwas höher aufragenden Nachbarinsel wiedererrichtet werden konnten. Vom religiösen Glauben dieses Inselheiligtums so wie dem technischen Abenteuer seiner Verlagerung wird als Zeitzeuge dieser Rettungsaktion der Ägyptologe Prof. Dr. Erich Winter berichten.

17.06.2009

Dr. Katja Lembke (Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim)

"Pompeji in der Wüste - Die römische Nekropole in Tuna el-Gebel in Mittelägypten"

Abstract: Dieser Vortrag wird Sie in das unbekannte Ägypten führen, an die Stätte, wo einst Echnaton und Nofretete herrschten und wo Antinoos in den Wassern des Nils sein Leben ließ. Nicht unter Lavaströmen versunken, sondern von Wüstensand bedeckt ist die Nekropole von Hermupolis, das moderne Tuna el-Gebel, mit ihren Tempel- und Hausgräbern eine einzigartige Anlage des ptolemäischen kaiserzeitlichen Ägypten. Im letzten Jahrhundert wurde bei Grabungen der Universität Kairo ein großer Teil freigelegt. Während die sogenannten Tempelgräber wie die berühmte Anlage des Petosiris in Stein errichtet und teilweise mit Reliefs verziert wurden, bestehen die sogenannten Grabhäuser aus Ziegeln. Sie sind mit figürlichen wie ornamentalen Malereien ausgeschmückt. Pompejanisch anmutende Malereien mitten in Ägypten zu finden, ist sicher auch für „Eingeweihte” eine Überraschung, ebenso wie mehrstöckige Gebäude aus römischer Zeit. Eine Stadt der Toten ist hier am Wüstenrand entstanden, die noch manche Geheimnisse birgt.

04.05.2009

PD Dr. Angelika Lohwasser (FU Berlin)

"Schminken und Tätowieren - Veränderungen der Haut im Alten Ägypten"

Abstract: Die Darstellung der Haut im Alten Ägypten bildet nicht das biologisch Gegebene ab, sondern ist kulturell überformt. Über die Präsentation alleine wird der kulturelle Körper konstruiert, mehr noch, wenn die Haut markiert wurde. Dabei wurden unterschiedliche Techniken verwendet, die zeitlich befristete oder dauerhafte Veränderungen der Haut hervorriefen. Zeitlich befristet ist z.B. die Bemalung der Haut, insbesondere um die Augenpartie, jedoch auch an anderen Körperregionen. Dauerhafte Veränderungen werden durch Brandmarkierung, Tätowierung und durch Schmuck­narben auf die Haut gebracht. Im Vortrag sollen u.a. die Techniken dieser Veränderungen sowie die Belege (Mumien, Darstellungen, Texte) erörtert und in ihrem Gesamtzusammenhang interpretiert werden.

26.01.2009

Prof. Dr.-Ing. Dr. phil. Frank Müller-Römer

"Der Bau der Pyramiden im Alten Ägypten aus Sicht der modernen Forschung"

Abstract: In der Vergangenheit wurden von Ägyptologen und Archäologen, Ingenieuren und interessierten Laien verschiedenste Hypothesen zum Bau der Pyramiden im Alten Ägypten vorgelegt. Dennoch wurde für die Fragen, nach welchem Verfahren, in welchen Abschnitten, mit welchen Hilfsmitteln und innerhalb welcher Zeit die Pyramiden gebaut wurden, noch kein in sich geschlossener und widerspruchsfreier Lösungsvorschlag zur Diskussion gestellt. Ausgehend vom Stand der ägyptologischen Forschung und den archäologischen Befunden, wurden vom Vortragenden bisher bekannt gewordene Hypothesen zum Bau und Bauvorschläge nach wissenschaftlichen Methoden analysiert und daraufhin geprüft, inwieweit die Pyramiden im Alten Ägypten danach hätten errichtet werden können. Darauf aufbauend wird eine neue, aus den archäologischen Befunden des Alten Reichs abgeleitete und in sich widerspruchsfreie Hypothese für den Bau der Stufenpyramiden im Alten Reich entwickelt. Diese verbindet erstmals den Einsatz steiler, parallel zu den Stufen des inneren Kernmauerwerks angeordneter Rampen in Kombination mit der Walze in Form der Seilwinde für Materialtransport und den Bau einer äußeren Arbeitsplattform für die gefahrlose Montage des Pyramidion und die Glättung der Pyramidenverkleidung von oben nach unten. Die danach berechneten Bauzeiten stimmen mit den belegten Regierungsjahren von drei Königen (Snofru, Cheops und Mykerinos) überein.

17.11.2008

Dr. Ben J.J. Haring (Universität Leiden)

"Die Verwaltung der königlichen Nekropole in Theben-West und deren Schriftzeugnisse"

Abstract: Die Arbeitergemeinschaft der königlichen Nekropole des ägyptischen Neuen Reiches hat uns eine besonders reiche schriftliche Dokumentation hinterlassen. Die Reste ihrer Siedlung im heutigen Deir el-Medina sowie die Umgebung der Grabanlagen im Tal der Könige sind Fundorte tausender von Texten, meistens auf sog. Ostraka (beschriftete Keramik- und Steinfragmente), weniger auf Papyri. Aus diesen Quellen erhält man ein sehr lebhaftes Bild der Arbeitergruppe, ihrer Arbeit, ihrer Verwaltung und ihres täglichen Lebens. Es beruht hauptsächlich auf Texten des späten Neuen Reichs (20. Dynastie), aus dem die größte Menge von Dokumenten stammt. Es gibt zwar auch Material aus früheren Zeiten, aber je weiter man zeitlich zurückgeht, desto weniger Texte sind vorhanden. Die Dokumente wurden unterschiedlich verfasst: in hieratisch, hieroglyphisch und sogar in nicht schriftlicher Form: Es gab ein System, in dem die Arbeiter nur mit ihren persönlichen Marken bezeichnet wurden. Für die früheste Periode, die 18. Dynastie, stehen uns nur diese Marken zu Verfügung. Was sagen uns diese Quellen? Vertreten die verschiedenen Texte aus verschiedenen Perioden auch unterschiedliche Verwaltungssysteme?

01.07.2008

Dr. Cornelius von Pilgrim (Schweizerisches Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde, Kairo)

"Stadtarchäologie am Ersten Katarakt - Neueste Rettungsgrabungen der Swiss-Egyptian Mission in Syene/Assuan"

Abstract: In Ergänzung zu seinen langjährigen Untersuchungen auf Elephantine begann das Schweizer Institut vor acht Jahren mit einem langfristig konzipierten Projekt zur Siedlungsgeschichte von Assuan, das in enger Zusammenarbeit mit dem Supreme Council of Antiquities Aswan durchgeführt wird. Mit Ausnahme von drei geschützten Antikenarealen mit kleineren Tempelbauten aus ptolemäischer Zeit sind alle Spuren der antiken Stadt Syene heute unter dem modernen Assuan verschwunden. Erstmals erfolgen daher in Assuan systematische Notgrabungen, indem aktuelle Bauprojekte gestoppt und erst nach Abschluss aller archäologischen Untersuchungen wieder frei gegeben werden. So konnten in bisher 40 Baugruben zum Teil überraschende Einblicke in die Stadtentwicklung gewonnen werden. Außer den ersten Siedlungsspuren aus dem Alten Reich sollen vor allem Ergebnisse vorgestellt werden, in denen Bauten aus fast allen Epochen der ägyptischen Geschichte erfasst werden.

07.05.2008

Dr. Nicole Alexanian (Freie Universität Berlin)

"Aktuelle Feldforschung im Pyramidenfriedhof von Dahschur"

Abstract: Dahschur ist neben Giza, Abusir und Sakkara einer der größten Pyramidenfriedhöfe des Alten und Mittleren Reichs. Das Deutsche Archäologische Institut führt seit 1975 Feldforschungen in Dahschur durch, und seit dem Jahr 2000 wird ein archäologisches Projekt der Freien Universität Berlin in Dahschur von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. In den letzten Jahren wurden Teile eines Friedhofs von Priestern und ihren Familien ausgegraben, die den Kult an der Roten Pyramide des Snofru (4. Dyn., um 2600 v. Chr.) durch das gesamte Alte Reich, also über ca. 400 Jahre hindurch aufrecht erhielten. Diese Priester bewohnten die nördliche Pyramidenstadt des Königs Snofru, die durch Bohrungen am Rand des Fruchtlands lokalisiert werden konnte. Geophysikalische Untersuchungen geben Auskunft über die Gesamtausdehnung der Nekropole. Humanbiologische und paläopathologische Untersuchungen an den weitgehend ungestörten Bestattungen des Friedhofs erlauben Einblick in die Belegung der einzelnen Gräber und die Lebensverhältnisse der Pyramidenbauer.

22.01.2008

Prof. Dr. Stephan Seidlmayr (Freie Universität Berlin)

"Zwischen Epigraphik und Landschaftsarchäologie - Felsinschriften und Denkmäler der Region um Aswà¢n"

Abstract: Eine Besonderheit der archäologischen Hinterlassenschaft im Gebiet des Ersten Katarakts bei Assuan bilden mehrere tausend Felsinschriften, die sich verteilt über die Landschaft finden. Einfache Texte, die nur Namen und Titel einer Person nennen, stehen hier neben spektakulären Reliefs und Inschriften mit langen, aussagekräftigen Texten. Durch neue epigraphische Feldarbeit auf Elephantine und an mehreren anderen Plätzen der Region konnten die Leistungen der bislang schon publizierten Arbeiten vielfach verbessert werden; vor allem aber wurden in großer Zahl neue Inschriften entdeckt, die neues Licht auf die Materialgruppe werfen. Das wichtigste Anliegen der neuen Arbeit an den Felsinschriften des Gebietes von Assuan ist jedoch, den topographischen Kontext der Inschriften und ihre archäologischen Charakteristika, die bislang weitgehend vernachlässigt wurden, zu dokumentieren und zu analysieren. Aus diesem Blickwinkel erweisen sich die Felsinschriften als eine besonders wichtige Quelle für die Rekonstruktion der Landschaft und ihrer Nutzung in pharaonischer Zeit etwa im Zusammenhang der militärischen Sicherung des Kataraktgebiets und im Ablauf der großen Feste der lokalen Kulte.

07.11.2007

Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen (Universität Mainz)

"Götter, Gräber und Gelehrte - Die Assiuter "Graffiti-Szene" und weitere archäologische Entdeckungen der Mainzer Grabungen in Mittelägypten"

Abstract: Seit 2005 unternimmt die Mainzer Ägyptologie jährliche Feldkampagnen in Assiut (ca. 380 km südlich von Kairo) zur Dokumentation und Erforschung der dortigen Felsnekropole. Ein bislang völlig unbekanntes Gaufürstengrab (N13.1) vom Ende der Ersten Zwischenzeit (ca. 2050 v. Chr.) hat neben einer Reihe von z.T. unversehrten Schachtgräbern im Vorhof und interessanten Wandmalereien eine einmalige Fülle von sekundären Graffiti offenbart: In dem damals etwa 500 Jahre alten Grab haben Schreiber und evtl. auch deren Schüler Texte und Zeichnungen angebracht, die Lebenslehren, Tempelbesuche, Opfersprüche und Schreibübungen, aber auch Skizzen von Tieren und Menschen wiedergeben. Die Graffiti bezeugen damit mehr oder weniger private Aktivitäten der lokalen Bildungselite des Neuen Reiches, die sich hoch oben auf dem Gebel Assiut verewigt hat.

27.06.2007

Dr. Dietrich Raue (Deutsches Archäologisches Institut, Abt. Kairo)

"Von Zentren und Grenzen - Siedlungsstrukturen in Heliopolis und auf Elephantine"

Abstract: In der Ägyptologie wird gerne der Terminus „Reichstempel” für die großen Landesheiligtümer in Theben, Memphis und Heliopolis verwandt. Aber was macht diese Orte zu „Reichstempeln”? Ist es nur die schiere Größe? Die kürzlich in Heliopolis durchgeführten Ausgrabungen sowie Beobachtungen in den Grabungen auf Elephantine scheinen weitere Argumente zu liefern, deutliche Unterschiede zwischen Tempelstädten und Stadttempeln im Ursprung wie in ihrem Ende festzustellen. Am Beispiel von Heliopolis soll illustriert werden, wie das „Ende” eines Heiligtums in einer gleichsam lautlosen Implosion vor sich gehen kann, nachdem es fast 2000 Jahre lang der Schauplatz einer in Stein monumentalisierten Religiosität war. Es geht hierbei um die Auswirkung der oft zunächst lautlosen Verschiebungen der Grundlagen einer Kultur auf die Bedeutung eines heiligen Ortes und um die für weitere Jahrhunderte gültige Verlegung dieser Bedeutung in die Welt religiöser Abstraktion im kulturellen Gedächtnis einer Gesellschaft. Das Ziel sind die Erfassung und die Interpretation der lautlosen Verschiebungen vor ihren ereignisgeschichtlichen Endergebnissen.

02.05.2007

Dr. Christian Loeben (Kestner-Museum Hannover)

"Auf der Suche nach urzeitlicher Ganzheit - Echnatons Gründe für seinen 'Hass' auf Amun"

Abstract: Angesichts der Tatsache, dass die so genannte „Amarnazeit” als eine der bekanntesten Epochen der ägyptischen Geschichte angesehen wird, sind sich Ägyptologen bis heute im Unklaren, was genau Echnaton veranlasste, die Aton-Religion einzuführen. Die Folgen davon waren gewaltig: Die Suche nach einer neuen Hauptstadt und ihre Gründung, die Auslöschung der traditionellen Götter usw. Analysiert man bis in alle Einzelheiten, welche Gottheit durch die Gefolgsleute Echnatons zerstört wurde und welches „Amarna-konforme” Bildprogramm königlicher Ikonographie das Vakuum ersetzt hat, so kann dies zu einer recht überzeugenden Antwort auf diese spannenden Fragen führen.

09.01.2007

Prof. Dr. Daniel Polz (Kairo / München)

"Für die Ewigkeit geschaffen. Die Särge des Imeni und der Geheset"

Abstract: Im Rahmen der Unternehmung Dra' Abu el-Naga des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo wurde im Oktober 2004 in einem Schachtgrab in der Nekropole von Dra' Abu el-Naga/Theben ein beinahe unversehrt erhaltener, reich dekorierter Holzsarg entdeckt. Der Sarg stand noch an dem Ort, an dem er vor mehr als 3700 Jahren deponiert wurde. Auch hier hatten Grabräuber versucht, den Sarg aus der Kammer zu entfernen. Allein der Umstand, daß die Sargkammer nur unwesentlich größer als der Sarg selbst ist, verhinderte seine Entfernung und Zerstörung durch die Grabräuber. Statt dessen schlugen sie mit einer Metallhacke ein Loch in das Fußteil und entfernten die in einem zweiten, inneren Sarg liegende Mumie. Der äußere Sarg gehört nach Ausweis seiner Inschriften einem hohen Würdenträger namens Imeni, der innere allerdings einer Dame namens Geheset. Im Vortrag wird über die Entdeckung und Bergung des Sarg­ensembles berichtet. Darüber hinaus soll auf Einzelheiten der Bestattung und den Kontext dieses einzigartigen Fundes eingegangen werden, wie die Datierung der Särge, die Identität der Sargbesitzer und der darin bestatteten Person.

30.11.2006

Prof. Dr. Dieter Kurth (Universität Hamburg)

"'Ein feste Burg hat unser Gott' - Zur Dekoration der Umfassungsmauer des Tempels von Edfu"

Abstract: Der in Oberägypten gelegene Tempel des Gottes Horus von Edfu besitzt eine steinerne Umfassungsmauer, die innerhalb der erhaltenen Tempelanlagen Ägyptens ihresgleichen sucht. Sie ist nämlich fast unzerstört erhalten geblieben, und zwar mit ihrer gesamten Dekoration, die eine Fläche von ca. 6.000 qm bedeckt. Diese Dekoration besteht zum einen aus großfigurigen Darstellungen mit zugehörigen Beischriften, zum anderen aus teils umfangreichen zusammenhängenden Texten. Aus beiden erfahren wir in allen Einzelheiten, welche Vorstellungen die Bauherren mit dieser Umfassungsmauer verbanden, die mit einer Höhe von zehn Metern das von ihr umschlossene Tempelgebäude nur noch wenig herausragen läßt. Aus dem Studium der Mauerdekoration ergibt sich formal, daß ihre Dekoration sorgfältig geplant worden war. Bei den Inhalten stoßen wir auf eine verblüffende gedankliche Vielfalt. Sie reicht von einer exakten und im alten Ägypten einmaligen Beschreibung des Gebäudes und seiner Baugeschichte bis hin zu den in Edfu erdachten Mythen der Weltentstehung. Hinzu kommen recht originelle Darstellungen der Wehrhaftigkeit einer Mauer, welche die irdische Wohnung des Gottes Horus schützen soll, zum Nutzen aller Bewohner Edfus.

12.07.2006

Dr. Ingrid Blom-Böer (Köln/Bonn)

"Die Tempelanlage Amenemhets III. in Hawara: Ein Labyrinth ohne Ausweg?"

Abstract: Amemenhet III. war der Sohn Sesostris' III. und der sechste König der 12. Dynastie, er regierte von. ca. 1853-1805 v. Chr. Seine Tempelanlage, die in Hawara am Fajjum-Eingang gebaut wurde, ist vor allem unter dem Namen "Labyrinth" bekannt geworden. Das Gebäude beschäftigt nach wie vor viele Ägyptologen, wobei den Berichterstattungen klassischer Autoren - allen voran von Herodot - große Bedeutung beigemessen wird. Denn sie beschreiben den Komplex offensichtlich bis ins Detail. Hatten die antiken Autoren recht mit ihren Ausführungen zum Aussehen und zur Funktion der Anlage? Um diese Frage zu beantworten wird ausführlich auf den Begriff Labyrinth, insbesondere in den Werken der antiken Autoren, eingegangen. Dabei stellt sich heraus, dass andere Wege beschritten werden müssen, um zu brauchbaren Aussagen im Hinblick auf die Tempelanlage zu gelangen. Die in Form eines Katalogs zusammengestellten 215 Objekte, die aus der Tempelanlage in Hawara stammen und vor Ort, aber hauptsächlich in Museen und Sammlungen aufgenommen wurden, bilden die Grundlage, um auf die ehemalige Funktion des Tempels eingehen zu können. Diese Stücke waren einst als Relief oder Säule in der Architektur der Anlage verankert oder bildeten als Statue bzw. Tempelgeschirr das Inventar der verschiedenen Räumlichkeiten.

10.05.2006

Dr. Dirk Bröckelmann (Mainz)

"Zu Besuch bei Osiris - Die Darstellung der Fahrt nach Abydos in altägyptischen Privatgräbern"

Abstract: Die "Abydosfahrt" gehört zu den wichtigsten bildlichen Wiedergaben einer Schiffsfahrt aus dem Alten Ägypten. Dargestellt ist sie in den Grabmonumenten der gesellschaftlichen Elite, die in Unterscheidung von königlichen Anlagen gemeinhin "Privatgräber" genannt werden. Vor allem in den Gräbern, die ab dem Mittleren Reich (ab ca. 2000 v. Chr.) in den Felshängen von Theben-West bei Luxor angelegt wurden, ist die Szene häufig vertreten. Den hieroglyphischen Beischriften lässt sich das Ziel der Reise entnehmen: der heilige Ort Abydos, der mit dem Gott Osiris eng verbunden ist. Dort möchte der Grabinhaber an den Prozessionsfesten teilnehmen, in denen die Todesüberwindung des Osiris stets aufs Neue rituell inszeniert wird. Im Vortrag wird die Darstellung mit ihren Bildelementen vorgestellt und aufgezeigt, welchen Veränderungen sie im Laufe der Jahrhunderte unterlag. Thema sind außerdem die unterschiedlichen Versuche der Ägyptologie, die Wiedergabe des Fahrtgeschehens in den Gräbern zu erklären.

07.02.2006

Dr. Dina Faltings (Heidelberg)

"Bier und Bierbrauerei in der Pyramidenzeit"

Abstract: In dem Vortrag geht es um die Methoden, mit denen die alten Ägypter eines ihrer Grundnahrungsmittel produzierten. Anhand von Darstellungen aus Gräbern sowie Funden aus dieser Zeit wird rekonstruiert, welche Komponenten dazu nötig waren und wie man sie behandelte, um das gewünschte Getränk zu erhalten. Auch wie es aufbewahrt, abgemessen und konsumiert wurde, wird aus diesen Bildern deutlich. Papyri aus Pyramidentempelarchiven und andere Dokumente veranschaulichen seine Rolle als Grundnahrungsmittel und in welchen Mengen das "flüssige Brot" verbraucht wurde. Im Vergleich dazu werden moderne Versuche vorgestellt, in denen altägyptisches Bier nachgebraut wurde.

10.11.2005

Dr. Kirsten Konrad (Mainz)

"'Er erhebt Ihre Vollkommenheit' - Der Sistrophor, ein Statuentypus im Alten Ägypten"

Abstract: Seit mehr als 200 Jahren bekannt, in der Description de l'Egypte bereits exemplarisch publiziert, fand der Statuentypus des so genannten Sistrophoren bis heute dennoch in der Wissenschaft nur wenig Beachtung. Dieser Statuentypus gibt den Dargestellten mit einem ursprünglich als Musikinstrument verwendeten Sistrum, einem Rasselinstrument, wieder. Sistrophore Rundbilder zählen zu den vielen Innovationen des Senenmut, dem engsten Vertrauten der Königin Hatschespsut (1479/73-1458/59 v. Chr.). Allein für Senenmut selbst können vier solcher Sistrophore nachgewiesen werden, die alle als Statuen im Vorhof von Tempelanlagen Aufstellung fanden. An diesen Exemplaren sowie weiteren ausgewählten Beispielen anderer hoher Beamter des Neuen Reiches (1550-1070/69 v. Chr.) und der ägyptischen Spätzeit (664-332 v. Chr.) werden die Konzeption sowie die Bedeutung der Sistrophoren für den Eigner analysiert.

07.07.2005

Dr. Sandra Sandri (Mainz)

"Har-pa-chered (Harpokrates): Die "Biographie" eines ägyptischen Götterkindes"

Abstract: Eine Besonderheit der ägyptischen Religion sind Götter in der Gestalt eines Kindes. Der bekannteste dieser so genannten Kindgötter ist Harpokrates, dessen gräzisierter Name auf das ägyptische Har-pachered (übersetzt: Horus-das-Kind) zurückgeht. Seine Biographie beginnt mit seiner frühesten Erwähnung am Anfang der 3. Zwischenzeit (ca. 1000 v. Chr.) und reicht bis zu seinem Aufstieg zu einem der bekanntesten ägyptischen Götter der griechisch-römischen Zeit (332 v. Chr. - 395 n. Chr.), der sogar über die Grenzen Ägyptens hinaus verehrt wurde. Zahlreiche Darstellungen und Texte aus den ägyptischen Tempeln und Siedlungen, die in Auswahl vorgestellt werden, geben Aufschluss über die Geschichte des Kindgottes Har-pa-chered, über seinen Platz in der ägyptischen Götterwelt und nicht zuletzt über seine Bedeutung und Funktion für die Gläubigen und den Pharao.

28.04.2005

apl. Prof. Dr. Jochem Kahl (Universitäten Münster und Köln)

"Assiut: Grenzstadt, Kulturstadt, gepeinigte Stadt. Geschichte und aktuelle Grabungsergebnisse"

Abstract: Die Stadt Assiut war und ist Provinzmetropole in Mittelägypten. Ihre Geschichte ist insbesondere durch ihren heute noch erhaltenen antiken Friedhof rekonstruierbar, der mindestens vom Ende des 3. Jts. v.Chr. bis in spätantike Zeit belegt war und anschließend einer christlichen Gemeinde als Lebensraum diente. Die archäologische Erforschung dieses Friedhofs erfolgt seit 2003 in einem Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Mainz, Münster und Sohag (Ägypten). Erste Ergebnisse dieser Forschungen und weitere schriftliche und archäologische Quellen ermöglichen, ein Bild von Assiuts besonderem Schicksal und seiner Rolle in der ägyptischen Geschichte zu entwerfen.

02.02.2005

Dr. Edgar Pusch (Hildesheim)

"Neues aus der Ramsesstadt - Bericht über die neuesten Ergebnisse seiner Grabung im Nildelta"

Abstract: Der Ausgrabungsort Piramesse-Qantir, gelegen am Rande des östlich Nildeltas etwa 110 km nördlich von Kairo und 80 km westlich von Ismaelia, umfaßt etwa 30 Qua­dratkilometer und war eine der Hauptstädte und Residenzen Ramses’ II. und seiner Nachfolger zwischen etwa 1300 und 1100 v. Chr. In Altägyptischen Hymnen als überaus reich und prunkvoll gepriesen, ist heute an der Oberfläche nichts mehr zu sehen, zumal die Stadtanlage als willkommener Steinbruch für spätere Dynastien diente. Der größte Teil dieser gewaltigen Siedlung wird heute agrarisch genutzt, doch liegen die ungestörten pharaonischen Schichten nur 10 cm unter der Ackeroberflä­che. Die Grabungsplätze der Hildesheimer Mission, finanziert von der Deutschen For­schungsgemeinschaft Bonn, vermitteln neue und überraschende Einblicke in diese Großsiedlung des Neuen Reiches: Auf über 40.000 Quadratmeter gelang es die bis­her größte Bronzewerkstatt freizulegen, in der Bronze im Tonnenbereich innerhalb eines einzigen Tages hergestellt und verarbeitet werden konnte. In diesen Kontext der Hochtemperaturtechnologie gehört auch der älteste bisher nachgewiesene Werkstattkomplex zu Herstellung von Roh- und Rubinglas in industriellem Umfang. Einen weiteren Höhepunkt bilden die Streitwagen-Garnison mit einem Exerzierplatz und angeschlossenen Werkstätten sowie zeitgleiche Pferde-Stallungen für mehr als 480 Pferde. Besonderes Gewicht kommt dem reichhaltigen außerägyptischen Fund­gut zu, das, vertreten durch Waffen, Werkzeuge, Keramik und sogar eine Keilschrift­tafel aus der diplomatischen Korrespondenz, neues Licht auf die militärischen und wirtschaftlichen Beziehungen der Großmacht Ägypten zu seinen Nachbarn wirft. Außergewöhnlich sind auch die Ergebnisse der Prospektion des Areals mittels Cae­sium-Magnetometrie in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege: Auf mehr als zwei Quadratkilometern werden - einem Röntgenbild ähnlich - Tempel, Paläste, Villen, Häuser, Straßen, Teile eines Hafens und andere Elemente der Ramses-Stadt sichtbar. Im Zuge der Auswertung dieser Messungen wird ein Stadtplan entwickelt werden, der schließlich auch dreidimensionale Rekon­struktionen ermöglichen soll. Die Hauptergebnisse der 25 Jahre dauernden Arbeiten und Auswertung des Projek­tes "Ramses-Stadt" sollen vorgestellt werden, um einen lebendigen Einblick in diese Groß-Siedlung der Ramessidenzeit zu vermitteln.